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Gespräch mit Petra Öllinger, Wiener Bücherschmaus

BücherregalPetra Öllinger vom Bücherschmaus kennt den 6. Bezirk in- und auswendig. Sie lebt, arbeitet und verbringt ihre Freizeit dort. Sie hat mit ungefähr 50 Nachbarinnen und Nachbarinnen persönlichen Kontakt und empfindet ihre Nachbarschaft als sehr kommunikativ.

Nachbarschaft: „ein zweischneidiges Schwert“

Gute Nachbarschaft ist für Petra Öllinger, wenn man sich gegenseitig aushilft und gemeinsam Projekte plant und umsetzt. Eine offene Kommunikation, praktische Nachbarschaftshilfe und dass man sich aufeinander verlassen kann, gehören hier dazu.

Negativ wird Nachbarschaft für sie dann, wenn Nachbarinnen und Nachbarn sich gegenseitig beobachten oder hinter dem Rücken übereinander reden.

Die unterschiedlichen Ausprägungen von Nachbarschaft sind für sie davon abhängig, ob man sich am Land oder in der Stadt befindet. Auch die bauliche Struktur hat hier einen Einfluss. Öllinger: „Nachbarschaft funktioniert in meinem Grätzel sehr gut, da alles sehr kleinteilig ist und nicht in Wohnsilos gewohnt wird. Das ist bei uns wirklich wie im Dorf.“

Tipps für eigene Projekte

Öllinger hat gemeinsam mit anderen bereits ein nachbarschaftsförderndes Projekt initiiert und umgesetzt: den mittlerweile sehr gut besuchten Ruhe-Therapie-Park in Mariahilf. Dabei ging es darum, einen Park zu schaffen, der für alle Bevölkerungsgruppen im Bezirk passt.

Was war dabei wichtig?

  • Selbst initiativ werden
  • Miteinander sprechen und Kontaktmöglichkeiten austauschen
  • Multiplikatorinnen und Multiplikatoren einbeziehen und sich zum Beispiel mit sozialen Institutionen zusammenschließen; zentrale Anlaufstellen kontaktieren
  • Feste veranstalten und niederschwellige Möglichkeiten zum Austausch mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen schaffen
  • Privatpersonen einbinden, indem man Menschen auf der Straße anspricht
  • Information verbreiten, durch zum Beispiel Flyer auflegen oder eine Homepage

Öllinger: „Das war irrsinnig aufwendig, aber es hat sich im Endeffekt ausgezahlt. Man muss die Dinge selbst in die Hand nehmen und die Initiative ergreifen. Und vielleicht auch Zivilcourage zeigen und die Menschen auf der Straße ansprechen. Wir haben erlebt, dass die Menschen sehr offen sind, positiv reagieren und sich freuen, dass etwas getan wird. Also auf den Heiland zu warten, bringt nichts.“

Nachbarschaftsfördernde Projekte und Institutionen

Öllinger kennt einige nachbarschaftsfördernde Projekte und Institutionen: Das Nachbarschaftszentrum; die Plattform „Frag nebenan“, bei der sich Leute per E-Mail austauschen; Nachbarschaftsfeste; das Café Ephata, in dem Gruppen für Treffen zu verschiedenen Themen Raum geboten wird und die Innenhofspaziergänge der Gebietsbetreuung.

Ruhige Gegend mit Großstadt-Flair nahe am Zentrum

Ihr direktes Grätzel beschreibt Öllinger als eine Mischung aus dörflichem Charakter im positiven Sinne mit Großstadt-Flair. Obwohl es eine ruhige Gegend ist, befindet man sich doch schnell im Zentrum.

Das Bild des Grätzels ist auch dadurch geprägt, dass es wenig Neubauten gibt. Sorge bereitet ihr eine voranschreitende Gentrifizierung („Abwanderung ärmerer und Zuzug wohlhabenderer Bevölkerungsgruppen“) im Bezirk, die sich ihrer Meinung nach negativ auf die ursprüngliche Bevölkerung auswirken wird.

Wichtige Punkte in Mariahilf sind für sie das Bezirksmuseum, die Rosa Lila Villa und die vielen zeitgeschichtlich relevanten Orte im Bezirk.

Kleine Geschäfte als Kommunikationszentren

Abgesehen von den sozialen Einrichtungen dürfen für Öllinger die kleinen Geschäfte im Bezirk nicht fehlen. Konkret spricht sie von der Firma Görbitz, wo „man einfach alles für den täglichen Bedarf bekommt“ und dem Antiquariat Kantner, für das sie sich „mit Sitzstreik einsetzen“ würde.

Diese kleinen Geschäfte sind für sie Kommunikationszentren, in denen es Beratung gibt und wo es kein Problem ist, wenn einmal nichts gekauft wird. Öllinger: „Das macht ja auch den Sechsten aus, dieser Gegensatz zum total Kommerz.“

Zur Person

Petra Öllinger ist für den Wiener Bücherschmaus – Verein für Leseförderung und Buchkultur tätig.

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